Update zum diagnostischen Fenster

Update zum Diagnostischen Fenster (2/16)

Kommt es zu einer HIV-Infektion kann diese erst nach einer bestimmten Zeit im Blut nachgewiesen werden. Diese Zeit nennt man „diagnostisches Fenster“ oder „diagnostische Lücke“.
Der Nachweis erfolgt heutzutage durch einen kombinierten HIV-Test, der sowohl auf ein spezifisches Virusprotein (p24 Antigen) sowie Antikörper gegen HIV testet (sgn. „Combo-Test“ oder „Test der 4. Generation“). Der gesicherte Nachweis einer Infektion kann schon nach einigen wenigen Wochen erfolgen.
Die Frage, die aber die meiste Verunsicherung mit sich bringt, ist die, ab wann eine Infektion mit HIV sicher ausgeschlossen werden kann. Dazu hat sich bis dato eine Zeitspanne von 12 Wochen etabliert. Ist ein HIV-Test nach 12 Wochen negativ, kann eine Infektion mit sehr großer Sicherheit ausgeschlossen werden. Wird ein Test innerhalb der 12 Wochen gemacht, soll ein negatives Ergebnis nach insgesamt 12 Wochen nach “Risiko” kontrolliert werden.
Neuere Europäische (2) und Deutsche Richtlinien (1) gehen heute davon aus, dass 6 Wochen durchaus ausreichen, wenn ein Labortest der 4. Generation durchgeführt wird. Diese Tests sind sensitiver als die früheren Tests und sie testen auch auf ein früher (als die Antikörper) feststellbares HIV 1 spezifisches Antigen (p24).
Die 6 Wochen gelten nicht für HIV-Schnelltests und Labortests früherer Generationen und es gibt zwei Ausnahmen:

  1. Infektionen mit einer extrem seltenen HIV-Variante HIV-1 Gruppe O (für Outlier) und
  2. beim Vorliegen einer Immunschwächung, die mit einer Antikörperbildungsstörung einhergeht
    in diesen Fällen gilt nach wie vor die 12 Wochen-Regelung!

In Österreich fehlt noch eine offizielle Stellungnahme zum Diagnostischen Fenster von 6 Wochen. Die Österreichische Aids Gesellschaft geht allerdings auch von 6 Wochen als ausreichend aus:

„Moderne in Europa eingesetzte HIV-Tests sind so genannte Combo-Tests. Diese Tests weisen einerseits Antikörper gegen HI-Viren nach, detektieren andererseits aber zusätzlich ein spezielles Virusprotein (p24-Antigen). Sowohl die HIV-Antikörper, als auch die Virusproteine sind jedoch erst einige Zeit nach dem Infektionsereignis messbar. Dieser Zeitraum wird auch „window period“ oder “diagnostisches Fenster” genannt. Man geht davon aus, dass spätestens 6 Wochen nach der Infektion mit diesem Test der HIV-Status sicher festgestellt werden kann. In den meisten Fällen ist das diagnostische Fenster kürzer“ (Österreichische Aids Gesellschaft).

In Deutschland haben sich die 6 Wochen zwar inzwischen durchgesetzt, allerdings findet man noch in etlichen Publikationen den Hinweis auf 12 Wochen. Hier kann man davon ausgehen, dass diese Angaben noch nicht aktualisiert wurden, es wohl aber in absehbarer Zukunft werden, wie das Beispiel HIV-Buch (ein Standardwerk zu HIV im deutschsprachigen Raum – www.hivbuch.de) zeigt: In der neuesten Auflage “HIV 2016/2017” wurden die Änderungen berücksichtigt (vgl. S.19 der Printversion).
Eine ausführlichere und gut verständliche Erläuterung zum Diagnostischen Fenster findet sich hier: Deutsche AIDS-Hilfe (Hrsg.): 6 Wochen und mehr. HIVReport, 2015/3

Quellen:

  1. DVV (Deutsche Vereinigung zur Bekämpfung von Viruskrankheiten) und GfV (Gesellschaft für Virologie): Nachweis einer Infektion mit Humanem Immundefizienzvirus (HIV): Serologisches Screening mit nachfolgender Bestätigungsdiagnostik durch Antikörper-basierte Testsysteme und/oder durch HIV-Nukleinsäure-Nachweis. Eine Stellungnahme der Gemeinsamen Diagnostikkommision der DVV und GfV. Bundesgesundheitsblatt 2015; 58:S.877-886 (download)
  2. Gökengin D. et al.: 2014 European Guidlines on HIV Testing. International Journal of STD&AIDS, 2014, Vol.25(10), S.695-704